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Hl. Karl der Große - Kaiser und Bekenner - Patron der Stadt Aachen

■ Der hl. Karl der Große wurde am 2. April 748 als Sohn Pippins des Jüngeren geboren. 768 übernahm er mit seinem Bruder Karlmann die Herrschaft im Frankenreich. Nach dem Tod Karlmanns 771 wurde er Alleinherrscher über das fränkische Reich und betrieb den Ausbau der Kirche in seinem Herrschaftsbereich. Am Weihnachtsfest 800 krönte ihn Papst Leo III. in Rom zum Kaiser. Der hl. Karl starb am 28. Januar 814 in Aachen. Die Feiern um Karl den Großen blieben seither, auch wenn sich der Kult in weiten Teilen Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Spaniens verbreitete, charakte­ristische Aachener Feste: In Translatione sanctissimi Karoli; In Nativi­tate sanctissimi Karoli (28. Januar); In octava s. Karoli (4. Februar). Die Translatio Karoli erscheint jeweils unter dem 27. Juli, dem Tage der feierlichen Vollendung des neuen Karlsschreins durch Friedrich Barbarossa im Jahre 1215. Nur in einem Falle, dem wohl ältesten Beleg, wird das Fest dem 29. Dezember zugeordnet, dem Tag der Heiligsprechung. Papst Benedikt XIV. hat den Kult für einzelne Orte anerkannt. Auch im napoleonischen Bistum Aachen wurden diese Feiern, gefördert durch Bischof Marc Antoine Berdolet, in der Stadt Aachen begangen. Danach sind sie im Kölner Kalender von 1828 als Aachener Eigenfeiern vermerkt, ab 1858 jedoch nicht mehr. Ihre Nennung erscheint erneut mit der Wiedererrichtung des Bistums Aachen. 1931 wird die Translatio im Direktorium noch angegeben, ab 1932 nicht mehr erwähnt. Die Feier der Oktav des Karlsfestes blieb bis 1955 bestehen. 

Aus: Heilige im Bistum Aachen, Geschichte im Bistum Aachen, Beiheft 3, 2005 (hrsg. vom Geschichtsverein für das Bistum Aachen), S.568.

Ein heiliger Paulus hat die Kirche verfolgt und wurde den­noch ein Heiliger. Ein König David hat Ehebruch und Mord auf seinem Konto stehen, und dennoch wurde er Stammvater des Sohnes der Maria. Gibt es den Heiligen, dessen Leben ohne jeden Makel ist? Wenn Kaiser Karl der Große in dem, was man ihm zum Vorwurf machen kann, ein Kind seiner Zeit war, so ging doch seine Frömmigkeit, sein Einsatz für das Leben der Kirche, für die Verkündigung des Evangeliums, für die Ausbreitung des Christentums weit über das Maß sei­ner Zeit hinaus. 

Er sicherte dem Papst seine Souve­ränität. Er baute ein staatliches Reich auf den Gesetzen Gottes auf und machte Gottes Gebot zur Richtschnur politi­schen Handeins. Wenn er dabei manch­mal fehlging, blieb seine Zielrichtung dennoch eindeutig. Er hat Männer in seine Nähe gerufen, die kirchliche Wis­senschaft fördern sollten, kirchliche Organisationen begründeten, für den Gottesdienst Sorge trugen und in Schu­len für die Unterweisung der Jugend tätig wurden. Was vor ihm Missionare aus Irland, aus Gallien und England auf­gebaut hatten, hat er gefestigt und eigentlich zur deutschen Kirche geformt, wobei der Zusammenhang mit der kirchlichen Spitze in Rom immer eines seiner wichtigsten Anliegen war. 

Wir haben von ihm die Tat einer umfangreichen Sorge für die Sache Gottes in dieser Welt, wie sie bei den Großen dieser Welt selten gewesen ist. Wie Gott ihn sah und sieht, ist die Frage, die sich von uns nicht beantworten läßt. Der Schrein mit seinen Gebeinen steht im Mariendom zu Aachen. Karl bleibt in unserer kaiserlosen, demokratischen Zeit eine bewundernswerte Persönlich­keit, menschlich nicht ohne Fehler und dennoch von christlicher Größe. 

Aus: Hans Steffens, Pioniere des Bistums Aachen, Religiöse Lebensbilder aus dem Land zwischen Maas und Rur, Mönchengladbach 1980, S. 27.

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Literatur:

Dieter HÄGERMANN, Karl der Große, Herrscher des Abendlandes, Propyläen München 2000.

Robert FOLZ, Études sur le Culte liturgique de Charlemagne dans les églises de l’Empire, Paris 1951.

Jürgen HOFFMANN, Zwischen Aufbruch und Erneuerung: Federstrich, Liturgische Handschriften der ehemaligen Aachener Stiftsbibliothek, Aachen 2001, 57-98..

Ewald JAMMERS, Das Karlsoffizium „Regali natus“, Einführung, Text und Übertragung in moderne Notenschrift, Leipzig 1934 und 2. Auflage 1984.

Eric RICE, Zur Musik und Musikpraxis für das Karlsfest im Aachener Dom: Federstrich, Liturgische Handschriften der ehemaligen Aachener Stiftsbibliothek, Aachen 2001, 45-55.

Eric RICE, Music and Ritual at Charlemagne's Marienkirche in Aachen, Beiträge zur Rheinischen Musikgeschichte, Bd. 174, Kassel 2009. 

Michael TUNGER, Am Karlsfest kehrte die echte Liturgie zurück, Feierliches Karlsoffizium im Aachener Dom anläßlich des Karlsfestes 2006: KIRCHLICHE UMSCHAU 9. Jg., März 2006, Nr. 3, 9 und: „SINFONIA SACRA - Gesellschaft zur Förderung katholischer Kirchenmusik e.V." - Mitteilungsblatt - Nr. 14, März 2006, 2-5 und Ausschnitt: UNA VOCE KORESSPONDENZ, 36. Jg., Heft 2, März/April 2006, 107-108 und „SINFONIA SACRA - Gesellschaft zur Förderung katholischer Kirchenmusik e.V." - Mitteilungsblatt - Nr. 28, September 2009, 6-7.

Hannelore ZOWISLO-WOLF, In Festo Beati Karoli Imperatoris, Die Karlsmesse „In virtute tua“, Eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, Aachen 1999 / 2000.

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