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Aufführungstermine des Karlsoffiziums Regali natus durch die Schola Carolina, Mönchengladbach:

■ Kirchenmusikalische Andacht
im
Kloster Mariawald (Heimbach / Eifel):
„Regali natus“ (Historia; entstanden letztes Viertel des 12. Jhs.)

Ausschnitte aus dem Reim-Offizium zum Fest des hl. Karls des Großen und liturgische Orgelmusik

Samstag, 25. September 2010, um 14.30 Uhr in der Klosterkirche, Eintritt frei (Spende erbeten!)

Ausführende: Schola Carolina, Mönchengladbach
Ltg. Dr. Michael Tunger

Wer Interesse und die Möglichkeit hat, durch das Aushängen eines Plakates auf diese Veranstaltung hinzuweisen, kann die Plakate in deutscher, niederländischer oder französischer Sprache hier ausdrucken. Vielen Dank für die Hilfe und Unterstützung!

Plakat deutsch hier (PDF).
Plakat niederländisch hier (PDF).
Plakat französisch hier (PDF).
Info-Flyer deutsch hier (PDF).

Programm:

ORGEL 
John Bennett (1735-1784): Adagio from a Voluntary

1. VESPER
1. Antiphon Regali natus mit Psalm 109
Responsorium Te secutus
Magnificat-Antiphon O spes afflictis mit dem Lobgesang Mariens

KOMPLET
Nunc dimittis-Antiphon Rex confessor justitiae mit dem Lobgesang des Simeon

ORGEL
Jacques Nicolas Lemmens (1823-1881): Communion pour Orgue

MATUTIN, 1. NOKTURN
1. Antiphon Juxta sanctarum mit Psalm 1
1. Lesung De vita Karoli magni. Piissimus igitur
1. Responsorium Francorum gemma Karolus

MATUTIN, 2. NOKTURN
6. Antiphon Quos Christus donat mit Psalm 8
4. Lesung De vita Karoli magni. Quis autem ignorat
4. Responsorium Fusa prece mentis bonae

MATUTIN, 3. NOKTURN
9. Antiphon Dum praesul plorat mit Psalm 21
8. Lesung De Expositione Evangelii secundum Lucam. Lucerna autem
8. Responsorium Laetare pia mater

ORGEL
June Nixon (* 1948): Variations on „Divine mysteries“

LAUDES
Bendictus-Antiphon Sol defectu mit dem Lobgesang des Zacharias

2. VESPER
Magnificat-Antiphon O Dei sacer athleta Karole mit dem Lobgesang Mariens

TAGESORATION
Deus qui superabundantia

ORGEL
Michael Higgins (* 1981): Elegy

HYMNUS
O rex orbis triumphator

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Hl. Karl der Große - Kaiser und Bekenner - Patron der Stadt Aachen

■ Der hl. Karl der Große wurde am 2. April 748 als Sohn Pippins des Jüngeren geboren. 768 übernahm er mit seinem Bruder Karlmann die Herrschaft im Frankenreich. Nach dem Tod Karlmanns 771 wurde er Alleinherrscher über das fränkische Reich und betrieb den Ausbau der Kirche in seinem Herrschaftsbereich. Am Weihnachtsfest 800 krönte ihn Papst Leo III. in Rom zum Kaiser. Der hl. Karl starb am 28. Januar 814 in Aachen. Die Feiern um Karl den Großen blieben seither, auch wenn sich der Kult in weiten Teilen Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Spaniens verbreitete, charakte­ristische Aachener Feste: In Translatione sanctissimi Karoli; In Nativi­tate sanctissimi Karoli (28. Januar); In octava s. Karoli (4. Februar). Die Translatio Karoli erscheint jeweils unter dem 27. Juli, dem Tage der feierlichen Vollendung des neuen Karlsschreins durch Friedrich Barbarossa im Jahre 1215. Nur in einem Falle, dem wohl ältesten Beleg, wird das Fest dem 29. Dezember zugeordnet, dem Tag der Heiligsprechung. Papst Benedikt XIV. hat den Kult für einzelne Orte anerkannt. Auch im napoleonischen Bistum Aachen wurden diese Feiern, gefördert durch Bischof Marc Antoine Berdolet, in der Stadt Aachen begangen. Danach sind sie im Kölner Kalender von 1828 als Aachener Eigenfeiern vermerkt, ab 1858 jedoch nicht mehr. Ihre Nennung erscheint erneut mit der Wiedererrichtung des Bistums Aachen. 1931 wird die Translatio im Direktorium noch angegeben, ab 1932 nicht mehr erwähnt. Die Feier der Oktav des Karlsfestes blieb bis 1955 bestehen. 

Aus: Heilige im Bistum Aachen, Geschichte im Bistum Aachen, Beiheft 3, 2005 (hrsg. vom Geschichtsverein für das Bistum Aachen), S.568.

Ein heiliger Paulus hat die Kirche verfolgt und wurde den­noch ein Heiliger. Ein König David hat Ehebruch und Mord auf seinem Konto stehen, und dennoch wurde er Stammvater des Sohnes der Maria. Gibt es den Heiligen, dessen Leben ohne jeden Makel ist? Wenn Kaiser Karl der Große in dem, was man ihm zum Vorwurf machen kann, ein Kind seiner Zeit war, so ging doch seine Frömmigkeit, sein Einsatz für das Leben der Kirche, für die Verkündigung des Evangeliums, für die Ausbreitung des Christentums weit über das Maß sei­ner Zeit hinaus. 

Er sicherte dem Papst seine Souve­ränität. Er baute ein staatliches Reich auf den Gesetzen Gottes auf und machte Gottes Gebot zur Richtschnur politi­schen Handeins. Wenn er dabei manch­mal fehlging, blieb seine Zielrichtung dennoch eindeutig. Er hat Männer in seine Nähe gerufen, die kirchliche Wis­senschaft fördern sollten, kirchliche Organisationen begründeten, für den Gottesdienst Sorge trugen und in Schu­len für die Unterweisung der Jugend tätig wurden. Was vor ihm Missionare aus Irland, aus Gallien und England auf­gebaut hatten, hat er gefestigt und eigentlich zur deutschen Kirche geformt, wobei der Zusammenhang mit der kirchlichen Spitze in Rom immer eines seiner wichtigsten Anliegen war. 

Wir haben von ihm die Tat einer umfangreichen Sorge für die Sache Gottes in dieser Welt, wie sie bei den Großen dieser Welt selten gewesen ist. Wie Gott ihn sah und sieht, ist die Frage, die sich von uns nicht beantworten läßt. Der Schrein mit seinen Gebeinen steht im Mariendom zu Aachen. Karl bleibt in unserer kaiserlosen, demokratischen Zeit eine bewundernswerte Persönlich­keit, menschlich nicht ohne Fehler und dennoch von christlicher Größe. 

Aus: Hans Steffens, Pioniere des Bistums Aachen, Religiöse Lebensbilder aus dem Land zwischen Maas und Rur, Mönchengladbach 1980, S. 27.

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Das Karlsoffizium Regali natus

Als unter Kaiser Friedrich Barbarossa (1122-1190) das Reich zum Sacrum Imperium sich wandelte, lag es nahe, den Gründer dieses Reiches, Kaiser Karl den Großen (748-814), zum Heiligen zu erheben. Diese Heiligsprechung erfolgte am 29. Dezember 1165 auf Veranlassung Friedrich Barbarossas durch den Kölner Erzbischof Rainald von Dassel sowie Bischof Alexander von Lüttich in Anwesenheit des Kaisers und seiner Gemahlin im Rahmen eines Hoftages im Marien-Münster zu Aachen. Gegenpapst Paschalis III. billigte diese Kanonisation. Zugleich erhielt Aachen Stadtrechte und zahlreiche Privilegien, ohne die diese Stadt niemals das geworden wäre, wozu sie sich in einem kontinuierlichen Wachstum entwickelt hat. 

Seit 1176 wird die Verehrung Karls des Großen als beatus – obwohl viel weiter verbreitet - in Aachen und Osnabrück gestattet, dennoch ist sein Fest an seinem Sterbetag, dem 28. Januar, im Martyrologium Romanum nicht verzeichnet. Die durch die Jahrhunderte bis zum heutigen Tag anhaltende Verehrung des großen Kaisers, besonders auch durch die Aachener Bevölkerung, veranlaßte Rom wohl zur dauerhaften Duldung des Karlsfestes. Selbst im heutigen Direktorium des Bistums Aachen ist der 28. Januar für die Stadt als Hochfest des hl. Karls des Großen ausgezeichnet.

Das Karlsfest ist das eigentliche Fest der Stadt Aachen, die damit ihren Schutzpatron anruft und an ihn erinnert. Als politischer, religiöser, kultureller und künstlerischer Mittelpunkt im christlichen Reich Karls des Großen bewahrte Aachen mit hingebungsvoller Treue das unvergängliche Gebäude der karolingischen Hofkirche. Mit dieser Kirche blieb durch die Jahrhunderte hindurch die Tradition kunstvollen liturgischen Singens verbunden.          

Reimoffizien wie das Karlsoffizium Regali natus, dichterisch-musikalische Kunstwerke für die Liturgie, enthalten in Rhythmus und Reim gefaßte Antiphonen, Responsorien und Hymnen des Offiziums, des Stundengebetes der Kirche. Sie entstanden vom 9. bis zum 16. Jahrhundert und hatten ihren künstlerischen Höhepunkt im 13. Jahrhundert. Mit der Einführung des Breviarium Romanum nach dem Konzil von Trient im Jahre 1570 wurde die liturgische Verwendung der Reimoffizien abgeschafft. Aachen tangierte diese Regelung im Hinblick auf das Karlsoffizium Regali natus nicht, da das Hochfest Karls des Großen im liturgischen römischen Heiligenkalender ja nicht verzeichnet war. Aachen war schon früh Pflegestätte der Kunstform des Reimoffiziums. Die älteste Überlieferung des wohl zur Heiligsprechung Karls des Großen im Jahre 1165 entstandenen, gereimten Karlsoffiziums Regali natus, das im Mittelalter weit verbreitet war und in Handschriften in Verona, Paris, Prag, Zürich und in vielen anderen Städten eingetragen ist, befindet sich in dem sogenannten Antiphonar des Franko, das heute im Aachener Domarchiv liegt. Das wertvolle Manuskript stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ist vielleicht von Magister Franko, der nach einem Totenbuch des Aachener Marienstifts am 10. Mai 1318 starb, gestiftet worden. Die Handschrift präsentiert die liturgische Musik Aachens mit kunstvollen Initialen und Schriftzeichen. Sie ist ein prächtiges Zeugnis der blühenden Kultur des oft fälschlicherweise als „finster“ bezeichneten Mittelalters. Das Karlsoffizium wurde in Aachen zu allen Festen des Münsters, bei der Kirchweihe und zu Marienfesten gesungen. Auch in anderen Städten des Bistums Lüttich, zu dem Aachen damals gehörte, fand es Verbreitung.
                                                                                                  Dr. Michael Tunger

Das Karlsoffizium Regali natus de stirpe – „Aus königlichem Stamm geboren“ entstand im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts in Aachen. Die Schöpfer von Text und Musik sind noch unbekannt. In sprachlicher und musikalischer Hinsicht kann es zu den bedeutungsvollsten Beispielen dieser wichtigen Form liturgischer Verehrung gerechnet werden. Das Karlsoffizium ist ein  biographisches Offizium; die erste und zweite Vesper - es handelt sich um ein Duplex-Fest - bilden den Rahmen, innerhalb dessen Karls Lebensweg dargestellt wird. Sein Charakter und seine Taten bilden das Thema der dazwischenliegenden Horen; sie begründen seinen Aufenthalt als Heiliger im Himmel. Das Karlsoffizium schöpft seine Texte aus dem Alten Testament, dem Neuen Testament sowie in den Lesungen aus der im Zusammenhang mit der Heiligsprechung Karls wohl in Aachen von einem Anonymus verfaßten Vita Karls des Großen mit dem Titel De sanctitate meritorum et gloria miraculorum beati Karoli magni ad honorem et laudem nominis Dei – „Über die Heiligkeit der Verdienste und den Ruhm der Wunder des heiligen Karl des Großen zu Ehre und Lob des Namens Gottes“. Sie kann als eine Art Heiligenlegende betrachtet werden. Das Karlsoffizium Regali natus, die in ihm enthaltene Karlsmesse In virtute tua sowie die berühmte Aachen- bzw. Karlssequenz Urbs Aquensis, urbs regalis bilden den Kern der Karlsliturgie. In all diesen Texten wird Karl gepriesen als „starker Streiter Christi“, als Verbreiter des Glaubens, Gründer und Erhalter des Rechtes, ein Herrscher, der alle christlichen Tugenden zu leben verstand. Die Bedeutung der Liturgie sowie die im Karlsoffizium vorliegenden Aussagen über den heiligen Karl weisen die liturgische Verehrung Karls des Großen über die historisch-politischen Grenzen hinaus aus als das essentielle Band, die Klammer des mittelalterlichen Reiches „in fundamento“.

Aus: Hannelore Zowislo-Wolf, Studien zum Karlsoffizium „Regali natus“ (unveröffentlicht).

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Literatur

Robert FOLZ, Études sur le Culte liturgique de Charlemagne dans les églises de l’Empire, Paris 1951.

Jürgen HOFFMANN, Zwischen Aufbruch und Erneuerung: Federstrich, Liturgische Handschriften der ehemaligen Aachener Stiftsbibliothek, Aachen 2001, 57-98..

Ewald JAMMERS, Das Karlsoffizium „Regali natus“, Einführung, Text und Übertragung in moderne Notenschrift, Leipzig 1934 und 2. Auflage 1984.

Eric RICE, Zur Musik und Musikpraxis für das Karlsfest im Aachener Dom: Federstrich, Liturgische Handschriften der ehemaligen Aachener Stiftsbibliothek, Aachen 2001, 45-55.

Eric RICE, Music and Ritual at Charlemagne*s Marienkirche in Aachen, Beiträge zur Rheinischen Musikgeschichte, Bd. 174. 

Michael TUNGER, Am Karlsfest kehrte die echte Liturgie zurück, Feierliches Karlsoffizium im Aachener Dom anläßlich des Karlsfestes 2006: KIRCHLICHE UMSCHAU 9. Jg., März 2006, Nr. 3, 9 und: „SINFONIA SACRA - Gesellschaft zur Förderung katholischer Kirchenmusik e.V." - Mitteilungsblatt - Nr. 14, März 2006, 2-5 und Ausschnitt: UNA VOCE KORESSPONDENZ, 36. Jg., Heft 2, März/April 2006, 107-108 und „SINFONIA SACRA - Gesellschaft zur Förderung katholischer Kirchenmusik e.V." - Mitteilungsblatt - Nr. 28, September 2009, 6-7.

Hannelore ZOWISLO-WOLF, In Festo Beati Karoli Imperatoris, Die Karlsmesse „In virtute tua“, Eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, Aachen 1999 / 2000.

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Weiterführende Links

Verein zur Erforschung der mittelalterlichen Karlsliturgie e.V.

Karoli Praesentia -  Aachen im Spiegel lateinischer Texte

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Berichte über das Karlsoffizium Regali natus

Karl der Große im Mittelpunkt
von Nina Krüsmann am 24.11.2009 in der "Aachener Zeitung" 

Kult und Kultur gehören zusammen
von Gero P. Weishaupt am 25.11.2009 auf "kathnews.de"